Das Pferd, das lieber die Zuschauer ansah

Der freundlichste Teilnehmer des Seminars. Verbindlich, angenehm im Umgang, nie laut. Nach drei Minuten in der Bahn hatte er das Pferd vollständig verloren — und wusste nicht, warum.

Gleiche Übung, gleicher Vormittag, anderer Teilnehmer. Er ist der Angenehmste in der Gruppe: freundlich, verbindlich, hört zu, drängt sich nie vor. Everybodies Darling – das möchte er sein. Auch für seinen Führungspartner Pferd.

Er betritt die Bahn und seine Körperspannung fällt ab. Die Schultern hängen, der Strick baumelt, die Bewegungen werden fahrig. Sein Blick wandert — zu den Kollegen am Rand, zum Hallentor, zurück zum Boden. Zum Pferd sieht er kaum. Die Kommandos gibt er leise und mehr an sich selbst gerichtet als an das Tier, und er gibt sie so, wie man eine Formalie erledigt. Das Pferd schlendert los. Es bleibt stehen, wo es will, dreht ab, wo es will, und interessiert sich sichtlich mehr für die Zuschauer als für den Menschen an seinem Strick. Nach drei Minuten macht es sein eigenes Programm.

Auch das ist kein Vorwurf. Er wollte niemanden bedrängen, weder Mensch noch Tier — eine Haltung, die im Umgang mit Kollegen viel für sich hat. Nur brauchen Pferde, genau wie Mitarbeitende und auch Kinder, klare und eindeutige Signale. Damit können sie hervorragend umgehen, und wenn sie sie verstehen, stellen sie sich gern darauf ein. Unklare und widersprüchliche Ansagen dagegen verwirren sie und bringen sie aus dem Konzept. Ein Pferd, das nicht weiß, was gemeint ist, entscheidet selbst.

In der Auswertung war es ein Kollege, der den Satz sagte: „So läuft das bei uns im Team auch." Es blieb still danach. Der zweite Durchgang lief besser, aber darum ging es an diesem Vormittag gar nicht mehr.

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